Im Gespräch mit Robin Zöffzig

Würde man ein Filmset bauen für ein Atelier eines modernen Künstlers, es würde aussehen wie das von Robin Zöffzig in der alten Baumwollspinnerei. Farben, Farben, Farben, Spraydosen, Pinsel, lose Zettel und Kladden in Regalen, durcheinander gestapelt, eine Schaufensterpuppe am Fenster, ein Schädel-Abbild vor dem braun-ocker-gemusterten Zweisitzer, Geschirr, benutzt und unbenutzt, eine Kaffeekanne, Skizzen und Notizen (so scheint es), und an den Wänden, auf dem Boden, auf den Möbeln und auf einer Staffelei im Raum: Bilder allerorten, fertige und in Arbeit, häufig großformatig und Pop-art-bunt. Ein Atelier im wahrsten Sinne des Wortes als Künstler-WERKSTATT, – wer erahnen will, wie viel TUN und Progress in den Bildern von Zöffzig steckt, sieht es hier.

Der Maler, Zeichner und Grafiker Robin Zöffzig wurde 1984 in Magdeburg geboren, studierte an der Kunsthochschule Halle und war Meisterschüler bei Professor Schade an der Burg Giebichenstein. Seit 2012 ist Zöffzig freischaffend in Leipzig tätig, wo er in der Baumwollspinnerei im Raum direkt neben seinem Atelier einen Zwischenboden eingezogen hat, um noch mehr Platz zu haben für sich und sein Schaffen, das manchmal bis spät in die Nacht reicht.

Seine (hauptsächlich Frauen)-Bilder sind kraftvoll. Starke Frauen zeigen sie, die sich ihres Körpers bewußt sind, egal, ob nackt oder bedeckt, und ihn einsetzen im Spiel um Macht und Willen. Weibliche Rollen-BILDER sind es oft, die Robin Zöffzig malt, selbst gewählt und selbst bestimmt. Die Schönheit liegt hier nicht erst im Auge des Betrachters, sondern schon in der körperlichen Präsenz der Frauen, in den scharf umrissenen Muskeln und Körperteilen, in Szene gesetzt durch die gelegentlich nur spärliche Kleidung oftmals in einem erotisierten oder sexualisierten Rahmen.

Zöffzig zeigt ein Frauenbild in einer Sinnlichkeit, Stärke, einem Selbstverständnis und Selbstbewußtsein, das in kräftigen Farben fast plakativ zwischen Kultbild, Phantasie und Lustobjekt hin- und herwechselt, – irritierend vielleicht für den einen oder anderen eher konservativen Betrachter, doch immer in einer nachvollziehbaren Ästhetik und Huldigung für die Frauen-Wesen, die sich auf den Bildern in Bunt und Nackt und Lack und Lust zeigen und gesehen werden wollen, und sich jedem Auge präsentieren, mag es sittenstreng, wohlwollend oder begierig sein. „Sieh! Mich! An! – JETZT!“ – scheinen sie zu rufen, … zu flüstern, … zu raunen, … zu schmeicheln, … zu schreien, … zu locken oder zu drohen. Und der Blick des Betrachters kann und soll nicht weichen.   

„Robin Zöffzig ist der Revolutionär, der die anarchische Seite der sexuellen Befreiung zu skizzieren versucht und ein Sittenporträt zu erschaffen, das den erotischen Hedonismus als eine neue Sinnlichkeit in die Gegenwart transportiert.“ (Lu Potemka)

Daß Nacktheit als Provokation noch immer funktioniert, zeigen die Riegel, die Instagram der sozial-medialen Präsenz des Künstlers gelegentlich vorschiebt, wenn auf seinen Bildern zu viel Haut zu sehen ist oder die gemalte Nacktheit zu realistisch wirkt. Und auch die Diskussion 2017 in seiner Heimatstadt Magdeburg zeigte es, als Zöffzig das Bild malte, mit dem sich die Stadt auf der Leipziger Buchmesse präsentierte. Eine nackte Brust der Magdeburger Jungfrau war auf dem Bild zu sehen, was für manchen Betrachter schon eine Brust zu viel war. Zöffzig verwies auf den französischen Maler Eugéne Delacroix und sein Meisterwerk „Die Freiheit führt das Volk“ mit einer barbusigen Marianne: „Auf SEINEM Bild sind zwei Brüste zu sehen. Aber ich habe gedacht, für Magdeburg reicht eine“, erklärte Zöffzig – … und schon wieder ist es greifbar, das Spiel zwischen einem schelmischen Augenzwinkern und der bewußt-offensiven Provokation. Denn provozieren, polarisieren, Aufsehen erregen und Diskussionen hervorrufen; das will Robin Zöffzig allemal. Die Stadt Magdeburg jedenfalls wertschätzte damals Idee und Umsetzung, kaufte nach der Buchmesse das Bild und überließ es dem Ratskeller als Leihgabe.

Wir freuen uns sehr, daß Robin Zöffzig Interviewpartner auf der 8. Veranstaltung der Firmen-Kultur am 18. November 2024 ab 18.30 Uhr in der Stallwache sein wird. Im Gespräch mit dem Leipziger Autor M.Kruppe wird er Einblicke geben in sein Schaffen und Werden. Er wird uns erzählt, was ihn inspiriert, wie ihn die Alten Meister beeinflussen, wie viel Nacktheit „Kunst am Bau“ verträgt und wie lange man in Deutschlands Kunstszene eigentlich als „junger Wilder“ gilt.   (Text: Maria Sharichin)

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